{"id":131,"date":"2010-01-12T16:32:35","date_gmt":"2010-01-12T15:32:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/web2017\/?p=131"},"modified":"2017-05-24T16:36:24","modified_gmt":"2017-05-24T15:36:24","slug":"blog-der-werberaum-der-stadt-zurich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2010\/01\/12\/blog-der-werberaum-der-stadt-zurich\/","title":{"rendered":"Blog: \u00abDer Werberaum der Stadt Z\u00fcrich\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stefanie K\u00e4gi hat eine Masterarbeit mit dem Titel \u00abDer Werberaum der Stadt Z\u00fcrich: Eine Analyse der Akteure, Regeln und Macht\u00bb geschrieben. Ich wollte von ihr wissen, was ihre Eindr\u00fccke waren, besonders jene, die nicht Eingang in die Studie gefunden haben.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Stefanie K\u00e4gi, was sind deine Forschungsfragen und wie hast du sie beantwortet?<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum stehen die Machtstrukturen des \u00f6ffentlichen Werberaums der Stadt Z\u00fcrich und der Zugang der Bev\u00f6lkerung beziehungsweise des Publikums zur Mitgestaltung des Werberaumes. Ich untersuchte auch die politische Entwicklung in den letzten Dekaden, so dass ich die aktuelle Situation im Zusammenhang mit den vorhergehenden Prozessen analysieren konnte.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Beantwortung meiner Fragen habe ich qualitative Interviews durchgef\u00fchrt mit leitenden Personen der Plakatfirmen APG, Clear Channel Plakanda, Citylights und Alive, Vertretern des Amts f\u00fcr St\u00e4dtebau und den zivilgesellschaftlichen Gruppierungen IG Plakat | Raum | Gesellschaft (IG PRG) und Aktion \u00abZ\u00fcri malt\u00bb. Die Interviews habe ich in Bezug auf meine Forschungsfragen analysiert und ausgew\u00e4hlte Zitate in die Arbeit einfliessen lassen. Viele der im Gespr\u00e4ch bereitwillig durch die Vertreter der Plakatgesellschaften offen gelegten Informationen wurden anschliessend durch die Befragten inhaltlich modifiziert.<\/p>\n<p><strong>Auf welche politischen, \u00f6konomischen, soziologischen oder kommunikationswissenschaftlichen Theorien und Modelle haben sich die Vertreter der Plakatgesellschaften gest\u00fctzt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Vertreter der Plakatgesellschaften APG, Citylights und Clear Channel argumentierten auf Basis der liberaler Marktwirtschaft, allerdings ohne sich auf Studien, Theorien, Lehrb\u00fccher oder Autoren zu berufen. Ein auf soziologischen, politischen oder kommunikationswissenschaftlichen Ans\u00e4tzen gr\u00fcndendes Gespr\u00e4ch blieb aus. Es schien, als w\u00e4ren \u00f6ffentlicher Raum und Publikum kein Thema, welches einer theoretischen Auseinandersetzung bedarf.<\/p>\n<p>Viele berufen sich auf die Demokratie in diesem Land und meinen, damit sei der Mitsprachem\u00f6glichkeit des Publikums Rechnung getragen. Die Idee der Demokratie scheint die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen den Plakatgesellschaften und der Zivilgesellschaft zu ersetzen. Konsequenterweise kennen die Plakatgesellschaften die Bed\u00fcrfnisse des Publikums nicht.<\/p>\n<p><strong>Die Plakatgesellschaften verkaufen nicht Werbung, sondern Kontakte, also die Aufmerksamkeit der Passanten. Hast du eine Wertsch\u00e4tzung gegen\u00fcber jenen erlebt, die das erm\u00f6glichen oder dulden?<\/strong><\/p>\n<p>Das Gastrecht der Plakatwerbung in der Stadt wird als Selbstverst\u00e4ndlichkeit betrachtet, genauso wie die Annahme, dass der \u00f6ffentliche Raum f\u00fcr privatwirtschaftliche Werbezwecke genutzt werden darf oder sogar soll. Die Aufmerksamkeit der Passanten muss von den Plakatgesellschaften als freies Gut betrachtet werden, denn sonst w\u00e4re Aussenwerbung in der Art, wie sie heute \u00fcblich ist, nicht gerechtfertigt.<\/p>\n<p><strong>Wie gehen die Plakatgesellschaften mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung um?<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich scheint im Werberaum gesellschaftliche Verantwortung mit dem Einhalten der Gesetze und Vernehmlassungen gleichgesetzt zu werden. Die Vertreter der grossen Plakatgesellschaften haben sich nicht zu einer \u00fcber die Gesetze hinausgehende Verantwortung ge\u00e4ussert. Waren die interviewten Personen jedoch Inhaber der Firma, zeigten sie ein pers\u00f6nliches Verantwortungsgef\u00fchl f\u00fcr die Informationen, die sie verbreiten. Inwiefern die Verantwortung schliesslich mit Taten \u00fcbereinstimmt, ist schwierig zu beurteilen, weil das Verantwortungsgef\u00fchl stark von der pers\u00f6nlichen Einstellung der jeweiligen Person zu einem bestimmten Thema abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p><strong>Welches Bild haben die Plakatgesellschaften von der Arbeit der Beh\u00f6rden?<\/strong><\/p>\n<p>Es besteht eine klare Differenz zwischen Plakatgesellschaften, die Werbestellen auf \u00f6ffentlichem Grund vermarkten und solchen, die keine st\u00e4dtischen Plakatstellen bewirtschaften. Letztere sehen in der Arbeit der Beh\u00f6rden vor allem die Eingrenzung ihres T\u00e4tigkeitsbereiches und Hemmnisse f\u00fcr ihre Gewinnm\u00f6glichkeiten. Die Bauentscheide des Amts f\u00fcr Reklameanlagen werden als willk\u00fcrlich und unfair bezeichnet. Zudem sehen sie sich trotz der \u00f6ffentlichen Ausschreibung der st\u00e4dtischen Plakatstellen nicht in der Lage, st\u00e4dtische Submissionen f\u00fcr Werbestellen zu erhalten \u2013 die Konkurrenz sei zu gross.<\/p>\n<p>Plakatgesellschaften, die st\u00e4dtische Stellen vermarkten \u2013 Clear Channel und APG \u2013 hingegen \u00e4ussern sich nicht negativ \u00fcber die Arbeit der Beh\u00f6rden. Rekurse werden als wichtige Ressource der Plakatgesellschaften beschrieben und dienen der Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen gegen\u00fcber \u00e4sthetischen Einsch\u00e4tzungen oder raumpolitischen Entscheiden der Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p><strong>Wie reagieren die Plakatgesellschaften auf die IG PRG oder andere zivilgesellschaftliche B\u00fcndnisse?<\/strong><\/p>\n<p>Die Vertreter der Plakatgesellschaften geben zwar an, schon von der IG PRG geh\u00f6rt zu haben, doch bei der Frage nach deren genauen Interessen stossen alle an Grenzen. Die IG PRG wird verstanden als eine Gruppe von Menschen, die sich an Aussenwerbung st\u00f6rt. Mit einer von Gleichg\u00fcltigkeit gepr\u00e4gten Aussage dar\u00fcber, dass es immer Menschen g\u00e4be, die sich an irgendetwas st\u00f6ren, war das Thema IG PRG jeweils abgeschlossen. Ein Dialog mit der IG PRG wurde weder gew\u00fcnscht noch konnten sich die Vertreter der Plakatgesellschaften an einen Austausch mit dieser zivilgesellschaftlichen Gruppierung erinnern.<\/p>\n<p>Ein \u00e4hnliches Bild ergab sich \u00fcber die Aktion \u00abZ\u00fcri malt\u00bb. Obwohl die Aktivisten in einer Pressemitteilung \u00f6ffentlich ihre Interessen formulierten, konnten sich die Vertreter der Plakatgesellschaften einzig an die Zerst\u00f6rung der Plakate erinnern und nahmen an, dass es sich bei der Aktion um Menschen handelt, die b\u00f6swillig Plakate zerst\u00f6ren wollten.<\/p>\n<p><strong>Du bist im Rahmen deiner Recherche auf die IG PRG aufmerksam geworden. Du hast dich eingehend mit allen Positionen befasst \u2013 und bist jetzt der IG PRG beigetreten. Weshalb?<\/strong><\/p>\n<p>Ich finde es ausserordentlich wichtig, dass eine \u00f6ffentliche Diskussion \u00fcber Aussenwerbung stattfindet. Die IG PRG tr\u00e4gt ganz gezielt und mit ad\u00e4quaten Mitteln dazu bei, das gesellschaftliche Schweigen \u00fcber dieses Thema zu brechen. Ich bin nicht prinzipiell gegen Aussenwerbung, doch ich bin \u00fcberzeugt, dass im Moment mit dem Thema nicht verantwortungsvoll umgegangen wird. Verantwortung tragen jeweils beide Seiten \u2013 die Plakatgesellschaften wie die Zivilgesellschaft. Ohne \u00f6ffentliche Meinung scheint die Verantwortung einzig bei den Plakatgesellschaften zu liegen. Da deren oberstes Ziel jedoch das \u00f6konomische Wachstum ist, muss das Publikum selbst einen verantwortungsvollen Umgang mit Aussenwerbung lernen. Die IG PRG bietet eine ausgezeichnete Plattform f\u00fcr die Auseinandersetzung mit Verantwortung und Werbung.<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag von Christian H\u00e4nggi erschien urspr\u00fcnglich auf dem Blog des Werbe- und Kommunikationsbranchenportals <a href=\"http:\/\/www.persoenlich.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">persoenlich.com<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefanie K\u00e4gi hat eine Masterarbeit mit dem Titel \u00abDer Werberaum der Stadt Z\u00fcrich: Eine Analyse der Akteure, Regeln und Macht\u00bb geschrieben. Ich wollte von ihr wissen, was ihre Eindr\u00fccke waren, besonders jene, die nicht Eingang in die Studie gefunden haben. Stefanie K\u00e4gi, was sind deine Forschungsfragen und wie hast du sie beantwortet? 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