{"id":133,"date":"2010-03-04T16:37:32","date_gmt":"2010-03-04T15:37:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/web2017\/?p=133"},"modified":"2017-05-24T16:41:53","modified_gmt":"2017-05-24T15:41:53","slug":"blog-affichage-debakel-ein-aktionar-kommentiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2010\/03\/04\/blog-affichage-debakel-ein-aktionar-kommentiert\/","title":{"rendered":"Blog: Affichage-Debakel: Ein Aktion\u00e4r kommentiert"},"content":{"rendered":"<p><strong>Am 26. Februar berichtete die Affichage, das Mutterhaus der APG und vieler anderer Aussenwerbungsunternehmen, dass sie eines der schwierigsten Jahre ihrer Geschichte hinter sich hat. Als Aktion\u00e4r nehme ich mir das Recht auf einen Kommentar heraus.<\/strong><\/p>\n<p>Die Affichage schreibt: \u00abDer R\u00fcckgang des Bruttoinlandprodukts in den Volkswirtschaften der Schweiz (\u20131,4\u2009%) sowie unserer Auslandm\u00e4rkte (bis zu \u20138,5\u2009%) hat zu einer \u00fcberproportionalen Reduktion der Werbeausgaben gef\u00fchrt. Im Gesch\u00e4ftsjahr 2009 haben sich unsere Verkaufserl\u00f6se im Heimmarkt um 18,3\u2009% auf CHF\u00a0250.1\u00a0Mio. reduziert, im Ausland um 26,5\u2009% auf CHF\u00a089.9\u00a0Mio.\u00bb<\/p>\n<p>Es ist absurd, dass ein R\u00fcckgang des BIP von 1,4\u2009% (bzw. 8,5\u2009%) an einer Reduktion der Verkaufserl\u00f6se von 18,3\u2009% (bzw. 26,5\u2009%) schuld sein soll. Es gibt gen\u00fcgend Unternehmen, die ihren Umsatz und ihren Gewinn stabil halten oder steigern konnten. Den R\u00fcckgang von 18,3\u2009% bzw. 26,5\u2009% kann man entweder der \u00dcbers\u00e4ttigung des Markts, der Misswirtschaft der Affichage oder der Werbewirtschaft zuschreiben, die nicht mehr in Werbung mit zweifelhaft belegter Werbewirkung investieren will.<\/p>\n<p>Die Affichage schreibt: \u00abDas [in Griechenland] ohne \u00dcbergangsfristen eingef\u00fchrte, nationale Tabakwerbeverbot hat zu einem Umsatzausfall von nahezu 30 Prozent im vierten Quartal 2009 gef\u00fchrt, der kurzfristig nicht kompensiert werden konnte.\u00bb 30\u2009% Umsatzausfall wegen Tabakwerbeverbot: Die Zahl zeigt, dass die Affichage ihre Augen vor dem offensichtlichen Klumpenrisiko Tabakwerbung verschlossen hat. Dass das Unternehmen nicht rechtzeitig die Akquisition anderer Werbekunden in Angriff genommen hat, zeugt nicht nur von unternehmerischer Fahrl\u00e4ssigkeit. Sollte Werbung wirken, muss Affichage die Mitverantwortung an den Tabakkonsum-bedingten Leiden der griechischen Bev\u00f6lkerung in Kauf nehmen.<\/p>\n<p>Die Verluste, die Affichage eingefahren hat, sind gr\u00f6sstenteils im Ausland entstanden. Dass Affichage \u00fcberhaupt im Ausland pr\u00e4sent ist und dort den \u00f6ffentlichen Raum in Anspruch nimmt, um f\u00fcr ihren eigenen Profit zu wirtschaften, ist einer demokratischen Nutzniessung des \u00f6ffentlichen Raums durch die Lokalbev\u00f6lkerung abtr\u00e4glich. Von jedem Franken Gewinn nach Abschreibungen, Steuern etc., den die Affichage in Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Griechenland, Zypern, Italien, Montenegro, Rum\u00e4nien, Serbien, Ungarn oder der Schweiz schreibt, gehen<\/p>\n<ul>\n<li>30 Rappen an JCDecaux SA in Neuilly, Frankreich<\/li>\n<li>25 Rappen an die Investmentfirma Compagnie Nationale \u00e0 Portefeuille in Belgien<\/li>\n<li>9.5 Rappen an die Investmentfirmen Arrow Capital Management und International Value Advisers in den USA<\/li>\n<li>6 Rappen an B\u00e9atrice und Paul-Henry Binz in Bulle.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die verbleibenden 30 Rappen gehen vermutlich an Kleinaktion\u00e4re und VR- und GL-Mitglieder (ich verweise auf den Gesch\u00e4ftsbericht 2008 f\u00fcr Details). Da die Aktion\u00e4re dieses Jahr ohne Dividende ausgehen werden, muss ich dieses Jahr darauf verzichten, einen Betrag in der H\u00f6he der Affichage-Dividende an die IG Plakat | Raum | Gesellschaft zu spenden (PC-Konto: 85-192174-9).<\/p>\n<p>Als Aktion\u00e4r fordere ich die Mitglieder der Gesch\u00e4ftsleitung und des Verwaltungsrats der Affichage Holding zum R\u00fccktritt auf \u2013 ohne Gratisaktien oder variable Lohnbestandteile. Die Generalversammlung fordere ich dazu auf, die neu zu bestellenden VR\/GL zu beauftragen, alle Auslandaktivit\u00e4ten lokalen Unternehmen zu verkaufen und die ausl\u00e4ndischen Beteiligungen am Affichage-Aktienkapital auf unter 33\u2009% zu reduzieren. Weiter sollen die Bilanzen und Erfolgsrechnungen der Tochterunternehmen im Gesch\u00e4ftsbericht offenlegt werden.<\/p>\n<p>Die Ziele dieser Massnahmen sind eine kompetente Besetzung des VR und der GL, die Redimensionierung des Unternehmens, so dass es besser in der Lage ist, ad\u00e4quat und verantwortlich auf die Bed\u00fcrfnisse der Lokalbev\u00f6lkerung einzugehen, eine demokratischere Verteilung des Gewinns aus dem \u00f6ffentlichen Raum und mehr Transparenz und Glaubw\u00fcrdigkeit. (Ich werde nicht m\u00fcde, an den scheinheiligen ersten Satz des Affichage-Leitbilds zu erinnern: \u00abTransparenz und Glaubw\u00fcrdigkeit geh\u00f6ren zu den wichtigsten Unternehmensgrunds\u00e4tzen der Affichage Gruppe.\u00bb<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag von Christian H\u00e4nggi erschien urspr\u00fcnglich auf dem Blog des Werbe- und Kommunikationsbranchenportals <a href=\"http:\/\/www.persoenlich.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">persoenlich.com<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 26. Februar berichtete die Affichage, das Mutterhaus der APG und vieler anderer Aussenwerbungsunternehmen, dass sie eines der schwierigsten Jahre ihrer Geschichte hinter sich hat. Als Aktion\u00e4r nehme ich mir das Recht auf einen Kommentar heraus. Die Affichage schreibt: \u00abDer R\u00fcckgang des Bruttoinlandprodukts in den Volkswirtschaften der Schweiz (\u20131,4\u2009%) sowie unserer Auslandm\u00e4rkte (bis zu \u20138,5\u2009%) hat zu einer \u00fcberproportionalen Reduktion der Werbeausgaben gef\u00fchrt. 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