{"id":328,"date":"2010-08-12T09:42:57","date_gmt":"2010-08-12T08:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/web2017\/?p=328"},"modified":"2017-06-13T09:45:06","modified_gmt":"2017-06-13T08:45:06","slug":"blog-weg-mit-der-ov-werbung-freie-sicht-auf-unsere-schonen-stadte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2010\/08\/12\/blog-weg-mit-der-ov-werbung-freie-sicht-auf-unsere-schonen-stadte\/","title":{"rendered":"Blog: Weg mit der \u00d6V-Werbung! Freie Sicht auf unsere sch\u00f6nen St\u00e4dte!"},"content":{"rendered":"<p><strong>In S\u00fcd- und Nordamerika habe ich immer wieder ein Auge auf die urbane Aussenwerbung geworfen und mit Z\u00fcrich verglichen. Das Ergebnis ist Mitleid erregend. Heute: Werbung im \u00f6ffentlichen Verkehr.<\/strong><\/p>\n<p>Wer ab und zu meine Blog-Eintr\u00e4ge liest, weiss: Aus politischen, sozialen und \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden bin ich ein dezidierter Gegner von Aussenwerbung. Sie ist undemokratisch, verschiebt nur Geld zwischen den grossen, oft internationalen, Unternehmen und ist visuell eine Zumutung. Bisher gab es eine Form der Aussenwerbung, die ich z\u00e4hneknirschend hingenommen habe, n\u00e4mlich die Werbung im \u00f6ffentlichen Verkehr.<\/p>\n<p>Werbung im \u00f6ffentlichen Verkehr, so glaubte ich, finanziert im Gegensatz zu Werbung auf Privat- und \u00f6ffentlichem Grund ein Gemeingut. In der IG Plakat | Raum | Gesellschaft haben wir ausgerechnet, dass ohne VBZ-Werbung die Billettpreise rund 2,6\u2009% steigen m\u00fcssten. Das ist wenig, betrachtet man die vielen Werbeformen, angefangen bei den Haltestellen \u00fcber die H\u00e4ngekartons und die Fenstertransparente, die einem die Sicht versperren. Aber immerhin, 2,6\u2009%.<\/p>\n<p>Zu den H\u00e4ngekartons und den Fenstertransparenten: Alle von mir besuchten St\u00e4dte haben gut funktionierende und erschwingliche \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel \u2013 und kein einziges Transportunternehmen ist auf die absurde Idee gekommen, den Blick auf die Stadt durch H\u00e4ngekartons und Fenstertransparente zu versperren.<\/p>\n<p>Interessant sind aber auch die Warteh\u00e4uschen:<br \/>\nAuffallend ist zuallererst, dass alle grosso modo gleich aussehen. Das wundert wenig, denn auffallend ist zuallerzweit, dass beinahe alle JCDecaux (wie bei uns unter der Firma der APG\/Affichage) oder ClearChannel geh\u00f6ren, in seltenen F\u00e4llen auch CBS (ehem. Viacom). Der gr\u00f6sste Teil des Gewinns fliesst also entweder nach Frankreich oder in die USA. Was bei den lokalen Transportunternehmen h\u00e4ngen bleibt, ist gerade genug, um das Gewissen derjenigen zu beruhigen, die die Aufmerksamkeit von Millionen von Passagieren ins Ausland verkaufen.<br \/>\nDie Gestaltung und Gr\u00f6sse der Warteh\u00e4uschen richten sich nicht nach den Bed\u00fcrfnissen der Passagiere, sondern nach dem Format der Werbung. Wenn man sieht, wie das \u00d6V-Stadtmobiliar andernorts gehandhabt wird, ist man versucht, die Situation als ein notwendiges \u00dcbel hinzunehmen.<\/p>\n<p>Bis man sich S\u00e3o Paulo, Portland OR oder Seattle WA anschaut, St\u00e4dte, die ihren Stolz gegen die neoliberale Propaganda der Plakatgesellschaften verteidigt haben. Wie die Verh\u00e4ltnisse im werbefreien S\u00e3o Paulo aussehen, habe ich im Mai erz\u00e4hlt. Portland und Seattle haben in der Innenstadt, die ziemlich grossr\u00e4umig begriffen wird, keine Werbung an den Haltestellen. Der Effekt mag auf diesen Amateur-Schnappsch\u00fcssen nicht so stark sein, deshalb gebe ich mein Wort: Es ist ruhiger und entspannter. Man f\u00fchlt sich wohl. Zugegeben, das Stadtbild ist nicht schmuddlig, wie ich es manchmal gerne h\u00e4tte (allerdings lieber authentisch-schmuddlig als Aussenwerbung-schmuddlig), aber es entspricht jenem Bild, das die Schweizer St\u00e4dte gerne portieren.<\/p>\n<p>Und wie sieht es finanziell aus? Portland und Seattle haben relativ g\u00fcnstige \u00f6ffentliche Verkehrsmittel \u2013 und in den Innenst\u00e4dten sind sie ganz und gar gratis! Die beiden Westk\u00fcstenst\u00e4dte beweisen, dass es ohne Werbung geht, man muss nur wollen. Was \u00f6ffentlich ist, ist ein Gemeingut, und es ist in der Natur der Gemeing\u00fcter, dass sie \u00f6ffentlich bleiben und nicht dem Meistbietenden verkauft werden.<\/p>\n<p>Mein Ruf schalle durch das Land: Weg mit der \u00d6V-Werbung, freie Sicht auf Z\u00fcrich, Basel, Bern, Bellinzona, Lausanne, Luzern und wie unsere zumeist sch\u00f6nen St\u00e4dte alle heissen! Und kostenloser \u00f6ffentlicher Verkehr in der Innenstadt! Es gibt keine dem \u00f6ffentlichen Verkehr inh\u00e4rente Notwendigkeit, Werbung zu verkaufen! Es braucht nur guten Willen, richtige Priorisierung und R\u00fcckgrat gegen\u00fcber der Propaganda der Werbeindustrie.<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag von Christian H\u00e4nggi erschien urspr\u00fcnglich auf dem Blog des Werbe- und Kommunikationsbranchenportals <a href=\"http:\/\/www.persoenlich.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">persoenlich.com<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In S\u00fcd- und Nordamerika habe ich immer wieder ein Auge auf die urbane Aussenwerbung geworfen und mit Z\u00fcrich verglichen. Das Ergebnis ist Mitleid erregend. Heute: Werbung im \u00f6ffentlichen Verkehr. Wer ab und zu meine Blog-Eintr\u00e4ge liest, weiss: Aus politischen, sozialen und \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden bin ich ein dezidierter Gegner von Aussenwerbung. Sie ist undemokratisch, verschiebt nur Geld zwischen den grossen, oft internationalen, Unternehmen und ist visuell eine Zumutung. 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