{"id":334,"date":"2010-09-28T09:54:45","date_gmt":"2010-09-28T08:54:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/web2017\/?p=334"},"modified":"2017-06-13T09:56:19","modified_gmt":"2017-06-13T08:56:19","slug":"blog-fdp-will-keine-werbebemalungen-auf-winterthurer-stadtbus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2010\/09\/28\/blog-fdp-will-keine-werbebemalungen-auf-winterthurer-stadtbus\/","title":{"rendered":"Blog: FDP will keine Werbebemalungen auf Winterthurer Stadtbus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Winterthurer FDP m\u00f6chte gerne die Werbebemalungen der Stadtbusse durch Werbebildschirme ersetzen. Die Forderung greift zu kurz.<\/strong><\/p>\n<p>Am Dienstag auf S. 18 in der Papier-NZZ, ich h\u00e4tte es beinahe \u00fcbersehen: \u00abWerbespots in den Winterthurer Bussen?\u00bb: Die FDP orte weiteres Werbepotenzial in den Winterthurer Stadtbussen und erkundige sich nach M\u00f6glichkeiten, die Bildschirme des neuen Fahrgast-Informationssystems f\u00fcr Werbung und Kurznachrichten zu nutzen.<\/p>\n<p>\u00dcberraschend ist folgende Wendung: Die FDP fragt sich, ob mit Werbung auf den Bildschirmen die l\u00e4stige Ganzbus-Werbung, die die Sicht auf die Stadt versperrt und auf den Schienen der Z\u00fcrcher VBZ immer h\u00e4ufiger zu sehen ist, eliminiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>An sich ein nobles Unterfangen. Doch die FDP vermag \u2013 jedenfalls im NZZ-Artikel \u2013 nicht \u00fcberzeugend darzustellen, weshalb es \u00fcberhaupt Werbung braucht. Die Zahlen, die ich einmal f\u00fcr Z\u00fcrich ausgerechnet habe, scheinen in Winterthur etwa gleich zu sein: 1,5 % der Gesamteinnahmen werden durch Werbung gedeckt. Und: Diese Einnahmen decken gerade mal die H\u00e4lfte dessen, was der Betrieb selbst f\u00fcr Werbung ausgibt.<\/p>\n<p>In den New Yorker Taxis h\u00e4ngen \u00fcberall Touch Screens mit dem wenig innovativen, daf\u00fcr weit verbreiteten Strickmuster Information\u2013Werbung\u2013Unterhaltung (das, wie \u00fcberall, weder besonders informativ noch besonders unterhaltend ist). Es gibt einen Knopf, mit dem man den Bildschirm ausschalten k\u00f6nnte. Bloss funktioniert er oft nicht, und wenn er funktioniert, dann bleibt immer noch etwas auf dem Bildschirm. Diese Bildschirme sind derart penetrant, dass sie den Blick erbarmungslos aufsaugen. Ich habe versucht, durchs Fenster auf Manhattan und Brooklyn zu blicken, aber ich habe es nicht geschafft, bis ich den ganzen Bildschirm mit meinem Gep\u00e4ckst\u00fcck abgedeckt hatte.<\/p>\n<p>Und so darf man sich fragen, ob die FDP-Interpellation nicht zu kurz greift, wenn sie die st\u00f6renden Werbungen durch andere st\u00f6rende Werbungen ersetzen will und meint, dass die Fahrg\u00e4ste dann das Stadtbild geniessen.<\/p>\n<p>Ein funktionierendes Gemeinwesen hat seinen Preis. Wenn wir wollen, dass die Leute die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel benutzen, dann haben das Gemeinwesen und die Nutzniessenden diese Kosten zu tragen. Dass st\u00e4ndig und immer wieder versucht wird, mit Werbeeinnahmen ein Teil davon zu kompensieren, zeigt, wie tief wir bereits im alles durchdringenden Vermarktungsparadigma versumpft sind.<\/p>\n<p>F\u00fcr rund 6.50 Franken pro Einwohner k\u00f6nnte der Winterthurer Stadtbus komplett werbefrei verkehren. Das w\u00e4re ein innovatives Ziel, liebe FDP. Ein Ziel mit Ausstrahlung, das zeigt, wie stolz die Winterthurerinnen und Winterthurer auf ihre Stadt sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Winterthurer FDP m\u00f6chte gerne die Werbebemalungen der Stadtbusse durch Werbebildschirme ersetzen. Die Forderung greift zu kurz. 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