{"id":338,"date":"2010-06-27T10:02:04","date_gmt":"2010-06-27T09:02:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/web2017\/?p=338"},"modified":"2017-06-13T10:05:13","modified_gmt":"2017-06-13T09:05:13","slug":"blog-krieg-und-werbung-ein-schones-paar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2010\/06\/27\/blog-krieg-und-werbung-ein-schones-paar\/","title":{"rendered":"Blog: Krieg und Werbung: Ein sch\u00f6nes Paar!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Es ist alte Erkenntnis, dass Kriegsf\u00fchrung und Werbung in einem intimen Verh\u00e4ltnis zueinander stehen. Doch es lohnt sich, manchmal wieder dar\u00fcber nachzudenken, denn die wichtigste Folgerung wird von beiden Industriezweigen mutwillig missachtet.<\/strong><\/p>\n<p>In unserer beschaulichen befriedeten Schweiz existiert Krieg nur noch in der Rekrutenschule, im Wiederholungskurs und in den Auslandsnachrichten. Doch wenn wir sehen, wie Werbung in allen Lebensbereichen fraglos in Kauf genommen wird, sollten wir uns daran erinnern, dass der Begriff <strong>Werbung<\/strong> bis Mitte des 19. Jahrhunderts ausschliesslich die <strong>Rekrutierung<\/strong> von S\u00f6ldnern bezeichnete und erst sp\u00e4ter durch die heutige Bedeutung der Rekrutierung von Konsumenten ersetzt wurde.<\/p>\n<p>Ebenso: Wenn von einer <strong>Kampagne<\/strong> die Rede ist, dann denkt niemand mehr an den Feldzug, sondern an H&amp;M, Media Markt und Migros-Budget. Wenn heute von einer <strong>Offensive<\/strong> die Rede ist, dann denkt niemand mehr an die milit\u00e4rische Offensive, sondern an Fussball. Und an Werbe-Offensiven. In der PR und der Werbung hat sich ausserdem der wunderbar-abstossende Begriff der Charme-Offensive eingeb\u00fcrgert. Charme-Offensiven werden eingesetzt, um das Publikum mit netter <strong>Propaganda<\/strong> einzulullen (Propaganda kennen wir aus allen neuzeitlichen Kriegen und Nationen). Charme-Offensiven werden vor allem von jenen durchgef\u00fchrt, die sich in der <strong>Defensive<\/strong> f\u00fchlen (der Hund beisst, wenn er Angst hat), weil sie in einem Wirtschaftszweig arbeiten, der unbeliebt und ungesund ist. Zum Beispiel die Werbeindustrie. Und manchmal die Erd\u00f6lindustrie. Und immer wieder mal die Kriegsindustrie.<\/p>\n<p>Man unternimmt also einen Feldzug oder eine Offensive oder eine Kampagne, und weil man das <strong>Target<\/strong> oder die <strong>Zielgruppen<\/strong> nicht genau kennt und nicht weiss, wo sie sitzen, setzt man Streubomben ein. <strong>Streubomben<\/strong>, wie <strong>Streuwerbung<\/strong>, f\u00fchren zu Streuverlusten. Streuverluste nimmt man in Kauf, denn ohne Streuverluste m\u00fcsste man die Kriegsf\u00fchrung und die Werbung abschaffen. (Der Unterschied zwischen Little Boy und Coca-Cola ist, dass die Opfer der Little-Boy-Offensive keine Coca-Cola mehr kaufen konnten.) Und wenn der Auftraggeber beunruhigt ist wegen der Auswirkung der Streuverluste auf seine Erfolgsrechnung, dann empfiehlt man ihm eben eine <strong>Guerilla<\/strong>-Kampagne oder gar etwas <strong>Ambush<\/strong>-Marketing.<\/p>\n<p>Wie erfrischend, dass ein Sketch von Monty Python Namensgeber von Spam war!<\/p>\n<p>Doch das sind alles nur Randbemerkungen, denn der ganze PR-, Werbe-, und Marketing-Karsumpel wurde von M\u00e4nnern mit Milit\u00e4rkarriere entwickelt. (Das \u00fcbelste Schweizer Beispiel ist der Armeefanatiker Rudolf Farner, Gr\u00fcnder der gleichnamigen PR-Agentur, die in letzter Zeit u.a. im Auftrag der R\u00fcstungsindustrie die GSoA bespitzelt hat.)<\/p>\n<p>Die ungeheuerlichste Parallele zwischen der Kriegsf\u00fchrung und der Werbung ist die Sache mit der <strong>Abr\u00fcstung<\/strong>. Da ich auf Reisen bin, kann ich die relevante Stelle nicht zitieren, was ausserordentlich schade ist. Sie steht irgendwo in Manuel De Landas War in the Age of Intelligent Machines: Eine Erkenntnis der Spieltheorie, m\u00f6glicherweise im Rahmen des Vertrauensspiels, ist, dass die Abr\u00fcstung \u00fcbers Ganze gesehen und besonders bei asymmetrischer Informationslage am meisten Vorteile bringt. So oder \u00e4hnlich. Das wird nat\u00fcrlich weder von der Werbeindustrie noch von der Kriegsindustrie beachtet, da diese durch Paranoia geleitet sind. Die USA kann nicht auf atomare Sprengk\u00f6rper verzichten, so lange irgendwer in der Welt noch welche gebunkert hat. Sunrise kann nicht auf eine Werbekampagne verzichten (und vielleicht das gesparte Geld in tiefere Geb\u00fchren stecken), da sie nicht weiss, ob Orange eine Kampagne plant (anstatt das Geld in den Kundenservice zu stecken).<\/p>\n<p>Und so wie die Werbeindustrie und die Kriegsindustrie die wichtigen Erkenntnisse aus der Volkswirtschaftslehre missachten und einfach die Schlagw\u00f6rter anwenden, die zwanzig Jahre nach dem KV noch h\u00e4ngen geblieben sind, vielleicht weil die FDP sie immer wieder in die Zeitungen bringt, so zeigen sich beide Industrien resistent gegen\u00fcber der vielleicht wichtigsten Erkenntnis aus der Spieltheorie.<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag von Christian H\u00e4nggi erschien urspr\u00fcnglich auf dem Blog des Werbe- und Kommunikationsbranchenportals <a href=\"http:\/\/www.persoenlich.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">persoenlich.com<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist alte Erkenntnis, dass Kriegsf\u00fchrung und Werbung in einem intimen Verh\u00e4ltnis zueinander stehen. 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