{"id":346,"date":"2009-12-17T10:28:18","date_gmt":"2009-12-17T09:28:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/web2017\/?p=346"},"modified":"2017-06-13T10:31:44","modified_gmt":"2017-06-13T09:31:44","slug":"blog-kein-kopenhagen-fur-die-werbebranche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2009\/12\/17\/blog-kein-kopenhagen-fur-die-werbebranche\/","title":{"rendered":"Blog: Kein Kopenhagen f\u00fcr die Werbebranche"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Klimakonferenz in Kopenhagen ist noch nicht zu Ende. Aus den Medien ist sie weitgehend verschwunden und vieles deutet darauf hin, dass sie zu einem Fiasko wird. Der Glaube, dass Konsum gut und mit Wohlstand gleichzusetzen ist, ist nach wie vor weit verbreitet. Die Werbung hat hier entschieden dazu beigetragen. Jetzt ist Handeln angebracht.<\/strong><\/p>\n<p>Ob Geiz nun geil ist oder nicht, ist unerheblich. Regelm\u00e4ssig wird selbst in den renommiertesten Bl\u00e4ttern die Ansicht verbreitet, dass Konsum geil ist. Nur eine gute Konsumstimmung wird als positiv bewertet.<\/p>\n<p>Wenn man daran glaubt, dass Werbung wirkt, muss man auch anerkennen, dass sie eine zentrale Funktion in der Steigerung und Beibehaltung des Konsums einnimmt. Doch gibt es heute kaum Produkte, die umweltfreundlich und nur wenige, die umweltneutral sind. Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem wir unseren Arsch nur durch eine Verringerung des Konsums retten k\u00f6nnen. Es gibt keine ernstzunehmenden nationalen und \u00fcbernationalen Gremien, die sich mit dem Einfluss der globalisierten und globalisierenden Werbeindustrie auf den Klimawandel befassen. Nirgends in der Branche hat jemand Visionen anzubieten, geschweige denn einen Weg, wie sich diese umsetzen liessen.<strong> Die Werbebranche f\u00fchlt sich mehr als andere Branchen vom Thema Nachhaltigkeit in keiner Weise ber\u00fchrt. Im Gegenteil: Sie propagiert den Konsum um des Konsums willen.<\/strong><\/p>\n<p>Wie sich das Problem der Mitverantwortung der Werbeindustrie am Klimadebakel l\u00f6sen l\u00e4sst, erschliesst sich mir nicht. Ich denke aber, folgende Massnahmen k\u00f6nnten einen Teil dazu beitragen:<\/p>\n<h3>Institutionelle Ebene<\/h3>\n<ul>\n<li>Gr\u00fcndung effektiver nationaler und internationaler Gremien, die die Werbeindustrie in ihrer Interdependenz mit allem anderen in der Welt betrachten. Solche Gremien m\u00fcssen in der Lage sein, sich inhaltlich Respekt zu verschaffen, Best Practices zu definieren und in H\u00e4rtef\u00e4llen Massnahmen durchzusetzen. Die bestehenden Branchenverb\u00e4nde m\u00fcssen sich endlich der gesellschaftlichen Bedeutung von Werbung annehmen.<\/li>\n<li>Einf\u00fchrung von Ethik, Nachhaltigkeit und verwandten Themen als Pflichtf\u00e4cher in allen Marketing-, Werbe- und Kommunikationslehrg\u00e4ngen.<\/li>\n<li>Einf\u00fchrung einer Standesordnung f\u00fcr alle Marketing-, Werbe- und Kommunikationsfachleute, die verbindliche Werte vermittelt und sich bei groben Verst\u00f6ssen durch empfindliche Konventionalstrafen oder Ausschluss aus dem Berufsstand Nachdruck verschafft.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Agenturebene \u2013 Kunden<\/h3>\n<ul>\n<li>Ablehnung von Auftr\u00e4gen, die klar umweltsch\u00e4dlichen Konsum propagieren. Verlangen Sie von Ihrem Auftraggeber die CO2-Bilanz des zu bewerbenden Produkts und des Benchmarks.<br \/>\nEinf\u00fchrung eines Auftraggeberkodex, der diesen dazu verpflichtet, sozial und \u00f6kologisch nachhaltig zu wirtschaften.<\/li>\n<li>Ehrlichkeit in der Information und Kommunikation. Wenn ein Unternehmen ein paar \u00d6koprojekte hat und gleichzeitig den L\u00f6wenanteil der Einnahmen durch fragw\u00fcrdige Projekte und Produkte generiert, dann ist es nicht angebracht, f\u00fcr die paar \u00d6koprojekte die Trommel zu r\u00fchren und so dem Brand einen nachhaltigen Anstrich zu geben.<\/li>\n<li>Zur Schadensminderung konsequent \u00f6kologisch bessere Papiere und Druckverfahren, CO2-Kompensation, FSC-Label usw. empfehlen (Achtung: Labels sch\u00fctzen vor denken nicht). Druckereien empfehlen, die in der N\u00e4he des Kunden produzieren. Auflagenh\u00f6hen so nahe wie m\u00f6glich am effektiven Bedarf festsetzen, auch wenn 1000 zus\u00e4tzliche Exemplare nur einen Aufpreis von 10 Franken kosten.<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Agenturebene \u2013 Intern<\/h3>\n<ul>\n<li>Verfassen eines verbindlichen und glaubw\u00fcrdigen Nachhaltigkeitsleitbilds mit Incentives und Disincentives f\u00fcr die Mitarbeitenden.<\/li>\n<li>Bestimmen eines Nachhaltigkeitsverantwortlichen, der Material- und Energiestr\u00f6me (v.a. Strom, Heizung, Papier\/Kopien, Abfall, Wasser) protokolliert und Massnahmen zur Senkung vorschl\u00e4gt.<\/li>\n<li>Beitr\u00e4ge an den \u00f6ffentlichen Verkehr und Fahrrad. Bei gleicher Qualifikation n\u00e4her wohnenden Bewerber einstellen. Gesch\u00e4ftsreisen nur mit \u00f6ffentlichem Verkehr und Mobility.<\/li>\n<li>Das \u00dcbliche: Stromsparbirnen. Steckerleisten zum Ausschalten \u00fcber Nacht. Nespresso und \u00e4hnliche Systeme durch Vollautomaten ersetzen. Nicht \u00fcberheizen, sinnvoll l\u00fcften.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Hilfreiche Informationen (v.a. auf betrieblicher Ebene) gibts zuhauf im Netz. Ich empfehle ausserdem die zahlreichen Fallstudien auf der Website der \u00d6bu, dem Netzwerk f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften.<\/p>\n<p>Die Ver\u00e4nderungen, die n\u00f6tig sind, um von der kindlichen, destruktiven Kapitalismusidee abzukommen, die immer noch verbreitet ist, habe ich hier nicht skizziert. Auch das grosse Thema der Kommunikations\u00f6kologie bleibt an dieser Stelle unber\u00fchrt. Was jedoch feststeht: <strong>Wenn Werbung weiterhin Bestand haben will, muss sie aufh\u00f6ren, f\u00fcr desinteressierten Konsum zu werben und beginnen, sich f\u00fcr Lebenserhaltung und Lebensqualit\u00e4t stark zu machen.<\/strong> Das hat nichts, aber auch gar nichts, mit Love Marks und \u00e4hnlichem Humbug zu tun, sondern mit der Projizierung und Erm\u00f6glichung einer Lebensweise, die auf sozialer, \u00f6kologischer, intellektueller und \u2013 in letzter Instanz \u2013 wirtschaftlicher Nachhaltigkeit basiert.<\/p>\n<p>Der Weg ist weit. Es ist an der Zeit, ihn zu beschreiten.<\/p>\n<h4>Literatur f\u00fcr die Feiertage<\/h4>\n<p>Marcel H\u00e4nggi: <em>Wir Schw\u00e4tzer im Treibhaus: Warum die Klimapolitik versagt.<\/em> Rotpunktverlag, 2008.<br \/>\nAndr\u00e9 Gorz: <em>Auswege aus dem Kapitalismus: Beitr\u00e4ge zur politischen \u00d6kologie.<\/em> Rotpunktverlag, 2009.<br \/>\nMichael Braungart &amp; William McDonough:<em> Einfach intelligent produzieren.<\/em> Berliner Taschenbuch Verlag, 2005.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Klimakonferenz in Kopenhagen ist noch nicht zu Ende. Aus den Medien ist sie weitgehend verschwunden und vieles deutet darauf hin, dass sie zu einem Fiasko wird. Der Glaube, dass Konsum gut und mit Wohlstand gleichzusetzen ist, ist nach wie vor weit verbreitet. Die Werbung hat hier entschieden dazu beigetragen. Jetzt ist Handeln angebracht. Ob Geiz nun geil ist oder nicht, ist unerheblich. 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