{"id":351,"date":"2009-11-24T10:36:31","date_gmt":"2009-11-24T09:36:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/web2017\/?p=351"},"modified":"2017-09-18T12:21:50","modified_gmt":"2017-09-18T11:21:50","slug":"blog-warum-ich-gegen-werbeverbote-bin-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2009\/11\/24\/blog-warum-ich-gegen-werbeverbote-bin-2\/","title":{"rendered":"Blog: Warum ich gegen Werbeverbote bin"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mir wird immer wieder vorgeworfen, ich w\u00fcrde f\u00fcr Werbeverbote pl\u00e4dieren. Doch Kritik \u2013 auch wenn es fundamentale Kritik ist \u2013 ist nicht gleich Verbot. In Wahrheit bin ich gegen Werbeverbote, so wie ich gegen die meisten Verbote bin.<\/strong><\/p>\n<p>Die Allianz gegen Werbeverbote hat eine ganze Menge Gr\u00fcnde aufgelistet, weshalb man gegen Werbeverbote zu sein hat (ich bediene mich der Vergangenheit, da es den Anschein macht, dass die Allianz ihre Missionst\u00e4tigkeit aufgegeben hat). Im Namen von hehren Idealen wie der Meinungs\u00e4usserungsfreiheit wird verteufelt, wer dagegen ist, dass die Tabak- und die Alkoholindustrie werben d\u00fcrfen. Die Allianz vergass mit Absicht, dass die Bundesverfassung mit der Garantie der Meinungs- und Informationsfreiheit (<a href=\"https:\/\/www.admin.ch\/opc\/de\/classified-compilation\/19995395\/index.html#a16\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Art. 16<\/a>) nicht die Bekanntmachung und Wieder- und Wiederbekanntmachung von Zahnpasta, Mobiltelefonieangeboten und Alcopops sch\u00fctzen, sondern einen Dialog unter Menschen f\u00f6rdern wollte, der frei ist von Zw\u00e4ngen. Und die Zw\u00e4nge, um die es heute geht, sind in erster Linie kommerziellen Ursprungs.<\/p>\n<p>Werbeverbote zielen in der Regel auf bestimmte Inhalte ab, nicht bestimmte Formen. Und wie Inhalte bewertet werden, h\u00e4ngt \u2013 noch mehr als bei der Form \u2013 vom Zeitgeist ab, will sagen: von Moralvorstellungen oder Modeerscheinungen. Aus meiner Sicht kein gen\u00fcgend guter Grund, Verbote einzuf\u00fchren. Gutmenschen, die Konsumenten sch\u00fctzen wollen, haben sich auf einige Produkte eingeschossen und sind zufrieden, wenn man daf\u00fcr nicht mehr werben darf. Derweil halten sie die Branchenverb\u00e4nde auf Trab, die sich auf die Diskussion einlassen und eifrig zur\u00fcck schiessen. Und was wird dadurch wirklich ver\u00e4ndert? \u00dcberhaupt nichts. Ob nun ein Parisienne-Plakat h\u00e4ngt oder nicht, hat keinerlei Auswirkungen auf die Volkswirtschaft, die Lebensqualit\u00e4t, den Wohlstand, die Demokratie oder den freien Markt. Die Diskussion ist keine Diskussion, die einem freiheitlichen Gesellschaftsverst\u00e4ndnis w\u00fcrdig ist \u2013 selbst wenn, wie die Branchenverb\u00e4nde nun argumentieren w\u00fcrden, es um viel mehr geht, n\u00e4mlich um drohende Werbeverbote f\u00fcr vermeintliche Dickmacher wie Cheese Burgers und Volvos und \u00fcberhaupt alles in der Welt.<\/p>\n<p><strong>Die Diskussion \u00fcber Werbeverbote verhindert erfolgreich, dass sich die Branchenverb\u00e4nde auf grundlegende Weise mit wirklichen Problemen und Herausforderungen befassen.<\/strong> Von diesen Herausforderungen gibt es gen\u00fcgend. Exemplarisch seien hier einige aufgez\u00e4hlt:<\/p>\n<ul>\n<li>Wie m\u00fcsste eine schlagkr\u00e4ftige und glaubw\u00fcrdige Standesordnung f\u00fcr Werbe- und Marketingfachleute aussehen?<\/li>\n<li>Welche gesellschaftliche Rolle hat die Werbung im halbwegs fortgeschrittenen Informationszeitalter zu spielen? Wof\u00fcr hat sie Verantwortung zu tragen?<\/li>\n<li>Was kann die Werbung beitragen, um die Demokratie wirklich demokratisch, den freien Markt wirklich frei zu machen \u2013 anstatt genau das Gegenteil zu bewirken?<\/li>\n<li>Wie kann verhindert werden, dass die Werbung m\u00fcndige Citoyens auf halbidiotische Konsumenten reduziert?<\/li>\n<li>Wie kann verhindert werden, dass sich die Werbung an den grossen \u00f6kologischen Katastrophen der Gegenwart und Zukunft mitschuldig macht?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Denken in Werbeverboten f\u00f6rdert ein anachronistisches, kausales Denken, das die Frage der Legalit\u00e4t vor die Frage der Legitimation stellt. <strong>Die Werbeindustrie \u2013 zusammen mit anderen Bereichen der Wirtschaft und der Gesellschaft \u2013 muss eine Transformation durchmachen, wenn sie nicht im Industriezeitalter verharren will. Und diese Transformation l\u00e4sst sich mittel- und langfristig nicht durch kleinkarierte Pipifax-Probleme vertuschen.<\/strong><\/p>\n<p>Wer kein Interesse hat, sich diesen Fragen zu stellen, der melde sich an f\u00fcr den Workshop des Verbands Schweizer Werbung mit dem Titel \u00abIst Kreativit\u00e4t noch m\u00f6glich? Werbung und Verkauf von Spirituosen\u00bb. Am Freitag ab 9 Uhr im Restaurant Weisser Wind in Z\u00fcrich.<\/p>\n<p><strong>PS:<\/strong> Mein Engagement gegen kommerzielle nationale und internationale Aussenwerbung ist nicht in der oben beschriebenen Verbotsmentalit\u00e4t anzusiedeln, sondern dreht sich um die Privatisierung des \u00f6ffentlichen Raums und den Ausverkauf \u00f6ffentlicher Ressourcen durch die Partikularinteressen weniger Unternehmen, die weder Interesse an noch Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens an den Tag legen.<\/p>\n<p>\u2014<\/p>\n<p><em>Dieser Beitrag von Christian H\u00e4nggi erschien urspr\u00fcnglich auf dem Blog des Werbe- und Kommunikationsbranchenportals <a href=\"http:\/\/www.persoenlich.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">persoenlich.com<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mir wird immer wieder vorgeworfen, ich w\u00fcrde f\u00fcr Werbeverbote pl\u00e4dieren. 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