{"id":780,"date":"2019-05-27T10:16:03","date_gmt":"2019-05-27T09:16:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/?p=780"},"modified":"2022-10-03T06:43:03","modified_gmt":"2022-10-03T05:43:03","slug":"abhortechnologie-auf-werbeplakaten-update-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2019\/05\/27\/abhortechnologie-auf-werbeplakaten-update-2\/","title":{"rendered":"Abh\u00f6rtechnologie auf Werbeplakaten: Update"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie die IG Plakat | Raum | Gesellschaft aufgedeckt hat, plant die APG, die aus Pers\u00f6nlichkeitsschutz umstrittene Cross-Device Tracking Technologie einzusetzen (siehe <a href=\"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2019\/05\/24\/apg-testet-umstrittene-abhor-und-tracking-technologie\/\">letzter Beitrag<\/a> und der Artikel im <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/zuerich\/stadt\/sammelt-dieses-mysterioese-kaestchen-am-hb-unsere-daten\/story\/\">Tages-Anzeiger<\/a>). Jetzt wurde bekannt: Es kommt noch \u00e4rger als angenommen. Es handelt sich um \u00fcber 20 Bahnh\u00f6fe in Z\u00fcrich, Bern und Basel, und mit im Boot sitzen die Swisscom, SBB, Tamedia, Ringier und weitere. Wer die Apps von Bluewin oder 20 Minuten installiert hat, scheint das Hintert\u00fcrchen bereits auf dem Smartphone zu haben.<\/strong><\/p>\n<p><em>Anmerkung: Diese Mitteilung wird aufdatiert, sobald neue Erkenntnisse gewonnen sind. Letzter Update: 01.06.19, 12:00 Uhr.<br \/>\nWatson hat inzwischen <a href=\"https:\/\/www.watson.ch\/!375143248\">kommuniziert<\/a>, dass sie bei der Lancierung von Beem (noch) nicht dabei sind.<\/em><\/p>\n<p>Gem\u00e4ss einer heute [27.05.19] ver\u00f6ffentlichten <a href=\"https:\/\/www.swisscom.ch\/de\/about\/news\/2019\/05\/27-beem.html\">Medienmitteilung von Swisscom<\/a> nutzen die verschiedene Unternehmen k\u00fcnftig eine Plattform namens Beem, um \u00abklassische Werbekampagnen direkt auf das&nbsp;Smartphone der Nutzer zu bringen und so interaktiv zu machen.\u00bb Wie die IG Plakat | Raum | Gesellschaft vermutet hat, geschieht dies durch ein \u00abhochfrequentiges\u00bb [sic!] Signal, das von Smartphones registriert wird. Wie es den Anschein macht, ist die Technologie zum jetzigen Zeitpunkt bereits in die Apps von 20 Minuten und Bluewin integriert, Watson wird folgen. Bei den Plakaten wird zus\u00e4tzlich zum Audio-Signal ein Bluetooth-Signal ausgesendet:<\/p>\n<p>\u00abHat ein Nutzer eine dieser Apps ge\u00f6ffnet, erscheint ein unaufdringlicher Hinweis, sobald das Signal empfangen wird. Wird der Hinweis angew\u00e4hlt, \u00f6ffnet sich die Beem Plattform, wo aktuelle Angebote passend zum gesehenen Plakat, zur Sendung oder zum Spot zu finden sind. Das k\u00f6nnen reine Zusatzinformationen, Gewinnspiel- oder Voting-Teilnahmen oder auch Kaufangebote und Gutscheine sein.\u00bb<\/p>\n<p>B\u00f6lz no eis hat inzwischen auf Youtube ein Video ver\u00f6ffentlicht, das die Technologie und ihre Risiken sowie ihre Einbettung in die Schweizer Medienlandschaft schl\u00fcssig erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Hochfrequenzstrahlen: So spionieren uns 20 Minuten, Watson und Swisscom aus!\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/YxPlRxMyxlI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Bahnh\u00f6fe<\/strong><\/p>\n<p>Die Medienbeitr\u00e4ge geben ein etwas falsches Bild \u00fcber die Verbreitung der Technologie. Wie wir inzwischen in Erfahrung bringen konnten, ist sie in folgenden Bahnh\u00f6fen installiert:<\/p>\n<ul>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Affoltern<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Altstetten<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Hardbr\u00fccke<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-HB<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Oerlikon<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Stadelhofen<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Stettbach<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Tiefenbrunnen<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Wiedikon<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Wipkingen<\/li>\n<li>Bahnhof SZU Binz<\/li>\n<li>Bahnhof SZU Brunau<\/li>\n<li>Bahnhof SZU Saalsporthalle<\/li>\n<li>Bahnhof SZU Schweighof<\/li>\n<li>Bahnhof SZU Selnau<\/li>\n<li>Bahnhof SZU Z\u00fcrich<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Z\u00fcrich-Flughafen<\/li>\n<li>Bahnhof BLS Bern-B\u00fcmpliz-Nord<\/li>\n<li>Bahnhof BLS Bern-Europaplatz<\/li>\n<li>Bahnhof RBS Bern-Felsenau<\/li>\n<li>Bahnhof RBS Bern-Tiefenau<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Bern<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Bern-B\u00fcmpliz-S\u00fcd<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Bern-Europaplatz<\/li>\n<li>Bahnhof SBB Basel<\/li>\n<li>Bahnhof Basel SBB \/ SNCF<\/li>\n<\/ul>\n<p>Aus heutiger Sicht sind zwei grosse Problemfelder ungekl\u00e4rt: Datenschutz und die Vertr\u00e4glichkeit des ausgestrahlten Signals.<\/p>\n<p><strong>Datenschutz<\/strong><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.swisscom.ch\/content\/dam\/swisscom\/de\/about\/news\/2019\/05\/27-beem\/27-faq-data-beem-de.pdf.res\/27-faq-data-beem-de.pdf\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> l\u00e4sst viele Fragen offen.&nbsp;Insbesondere, welche Daten wo genau und wie lange gespeichert werden, an wen und zu welchem Preis sie verkauft werden, wie sich Beem vor Angriffen Dritter und Missbrauch durch Hacker sch\u00fctzt. Denn:&nbsp;Eine Abh\u00f6rtechnologie zu installieren und zu denken, sie werde nicht missbraucht, die AGBs regeln das ja, ist reichlich naiv. Programmierfehler, Pannen, mutwillige Manipulation oder Attacken Dritter geh\u00f6rt zu jeder Technologie.<\/p>\n<p>Der Mediendienst von Swisscom schreibt auf Anfrage: \u00abWir sichern unsere technische Plattform mit den \u00fcblichen, state-of-the art [sic!] Sicherheitsmassnahmen.\u00bb Die Aussage ist zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht \u00fcberpr\u00fcfbar, denn es wird verschwiegen, welche Sicherheitsmassnahmen es sind.<\/p>\n<p>Weiter schreibt der Mediendienst: \u00abEs werden keine Daten von Smartphones ausgelesen.\u00bb Diese Behauptung ist offensichtlich inkorrekt, denn in der Datenschutzerkl\u00e4rung steht, dass u.a. die Typen von Browsern und Betriebssystemen ausgelesen werden. Weshalb es wichtig ist, den Browser zu kennen, wenn die Darstellung \u00fcber eine App l\u00e4uft, ist nicht klar. Die Technologie bzw. App wurde nicht von einem Datensch\u00fctzer \u00fcberpr\u00fcft, denn, so der Mediendienst:&nbsp;&nbsp;\u00abDas war nicht n\u00f6tig, da beem und ihre Apps den schweizerischen Datenschutz einhalten.\u00bb Das w\u00fcrde wiederum bedeuten, dass eine \u00dcberpr\u00fcfung nur notwendig ist, wenn der Datenschutz nicht eingehalten wird, was eine etwas absurde Aussage ist. Bis der Nachweis der Einhaltung des Datenschutzes von unabh\u00e4ngiger Seite erbracht wurde, steht die Beschwichtigung auf wackeligen F\u00fcssen. Erst recht, wenn selbst der Mediendienst inkorrekte Informationen dazu kommuniziert.<\/p>\n<p>Inzwischen konnte in Erfahrung gebracht werden, dass die Daten in Deutschland gespeichert und in der Schweiz gespiegelt werden. Allerdings ist noch nicht klar, ob die Daten aus der Schweiz nach Deutschland und zur\u00fcck Umwege \u00fcber andere L\u00e4nder nehmen. Zudem bedeutet dieser Grenz\u00fcbertritt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit, dass die Daten auch vom Nachrichtendienst des Bundes (NDB) mitgelesen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auf weitere Fragen, die wir an den Mediendienst gerichtet haben, sind nur vage und nicht \u00fcberpr\u00fcfbare Antworten gekommen. Wir haben nochmals nachgefasst und werden informieren, sobald wir mehr Informationen haben.<\/p>\n<p><strong>Hochfrequentes Signal<\/strong><\/p>\n<p>Im Anhang zur Medienmitteilung schreibt Swisscom, dass das hochfrequente Signal, das ausgesendet wird, Kinder und Tiere nicht beeintr\u00e4chtige. Sie schreiben etwas von wissenschaftlichen Tests, haben aber bislang nicht nennen k\u00f6nnen, um welche Tests es sich gehandelt hat. Die Wissenschaftlichkeit ist also zum jetzigen Zeitpunkt nicht \u00fcberpr\u00fcfbar. Von Herbst 2018 bis April 2019 wurde an einem nicht n\u00e4her genannten SZU-Bahnhof in Z\u00fcrich ein Test durchgef\u00fchrt. Swisscom schreibt, dass keinerlei Reaktionen von Passanten oder Tieren beobachtet wurden. Auch hier fehlen die Angaben zur Methodik, was die Aussage oder ihren wissenschaftlichen Gehalt nicht \u00fcberpr\u00fcfbar macht.<\/p>\n<p>In den Kommentarspalten zu den Artikeln im Tages-Anzeiger und 20 Minuten berichten verschiedene Erwachsene, dass sie das Ger\u00e4usch h\u00f6ren k\u00f6nnen und es als st\u00f6rend empfinden. Die IG Plakat | Raum | Gesellschaft hat sich mit einem Informatiker \u00fcber die Technologie unterhalten. Auch er konnte das Signal h\u00f6ren und hat es als unangenehm empfunden. Es ist also zumindest in Frage zu stellen, ob die Behauptung stimmt, dass Kinder und Tiere (und Erwachsene mit gutem Geh\u00f6r) das Signal nicht wahrnehmen bzw. nicht darunter leiden.<\/p>\n<p><strong>Die vielleicht wichtigste offene Frage bleibt: Weshalb muss sich die Bev\u00f6lkerung gefallen lassen, dass sie auf \u00f6ffentlichen Grund ungefragt einer neuen Technologie ausgesetzt wird, bloss weil einige Werbetreibende ihre Partikularinteressen durchsetzen, um mehr Geld zu verdienen?<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie die IG Plakat | Raum | Gesellschaft aufgedeckt hat, plant die APG, die aus Pers\u00f6nlichkeitsschutz umstrittene Cross-Device Tracking Technologie einzusetzen (siehe letzter Beitrag und der Artikel im Tages-Anzeiger). Jetzt wurde bekannt: Es kommt noch \u00e4rger als angenommen. Es handelt sich um \u00fcber 20 Bahnh\u00f6fe in Z\u00fcrich, Bern und Basel, und mit im Boot sitzen die Swisscom, SBB, Tamedia, Ringier und weitere. 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