{"id":833,"date":"2021-02-10T15:00:30","date_gmt":"2021-02-10T14:00:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/?p=833"},"modified":"2021-02-10T15:24:38","modified_gmt":"2021-02-10T14:24:38","slug":"werbebildschirm-gehackt-porno-im-offentlichen-raum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2021\/02\/10\/werbebildschirm-gehackt-porno-im-offentlichen-raum\/","title":{"rendered":"Werbebildschirm gehackt: Porno im \u00f6ffentlichen Raum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie der <a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/porno-statt-infos-auf-der-werbesaeule-220059892347\">Tages-Anzeiger<\/a> heute berichtete, wurde gestern ein Werbebildschirm am Stauffacher in Z\u00fcrich gehackt und anstatt des interaktiven Stadtplans Pornofilme gezeigt. \u00dcberraschend ist das nicht, hat doch die Werbeindustrie schon fr\u00fcher wenig Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes an den Tag gelegt.<\/strong><\/p>\n<p>Kein Computer ist vor ungefugten Zugriffen sicher, und es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Werbebildschirm gehackt wird. W\u00e4hrend im Ausland bereits fr\u00fcher F\u00e4lle bekannt wurden, in denen sich Unbefugte in ein Netzwerk oder einen lokalen Computer einschleusen konnten, um daran angeschlossene Werbebildschirme mit eigenen Inhalten zu f\u00fcttern, scheint der gestrige Hack am Stauffacher der erste in der Schweiz bekanntgewordene Fall zu sein. Es ist aber nicht das erste Mal, dass es einer Hackerin oder einem Hacker gelungen ist, in ein solches System einzudringen.<\/p>\n<p><strong>Werbeindustrie pfeift auf Datensicherheit und Datenschutz<\/strong><br \/>\nVor einigen Jahren wurde der IG PRG zugetragen, dass es jemand geschafft hat, sich in den grossen Werbebildschirm am Z\u00fcrcher Hauptbahnhof zu hacken, jedoch darauf verzichtet hat, andere Inhalte als die vorgesehenen dar\u00fcber abzuspielen. Um diese Person zu sch\u00fctzen, hat die IG PRG diese Geschichte damals nicht weiterverfolgt.<\/p>\n<p>2019 hat das <a href=\"https:\/\/medienwoche.ch\/2019\/11\/12\/revolutioniert-beem-den-werbemarkt\/\">Swisscom-Startup Beem (gemeinsam mit APG|SGA, SBB, Tamedia usw.) grossr\u00e4umig sogenannte Beacons installiert,<\/a> die \u00fcber eine Bluetooth-Verbindung oder das Smartphone-Mikrofon den Standort einer Person bestimmen und massgeschneiderte Werbung auf dem Handy zeigen konnten. Ohne spezielle Hackerkenntnisse ist es Mitgliedern der IG PRG gelungen, sich in die Betriebsoberfl\u00e4che dieser Beacons einzuloggen \u2013 und zwar sowohl bei der ersten Generation, die von der Schweizer Firma Barix hergestellt wurde, als auch bei der zweiten Generation, einer kosteng\u00fcnstigen Variante aus China. Beem hat es im zweiten Fall nicht f\u00fcr n\u00f6tig befunden, das Herstellerpasswort zu \u00e4ndern, bevor die Beacons im \u00f6ffentlichen Raum platziert wurden. Schon vorher ist Beem unter anderem in die Kritik geraten, weil sie es vers\u00e4umt hatten, vorg\u00e4ngig pr\u00fcfen zu lassen, ob die Aktion den gesetzlichen Vorgaben an den Datenschutz entspricht.<\/p>\n<p>Es ist durchaus denkbar, dass diese Eingriffe und Hacks bis jetzt nicht die einzigen in der Schweiz waren.\u00a0Immer wieder gibt es Pannen bei Bildschirmen im \u00f6ffentlichen Raum, die Aufschluss geben \u00fcber das Betriebssystem, in der Regel Windows 10. Dies ist ein erster Schritt, um sich Zugriff auf den Computer zu verschaffen.<\/p>\n<p>(So kurz vor der eidgen\u00f6ssischen Abstimmung \u00fcber eine elektronische ID, die m\u00f6glichwerweise \u00fcber ein Konsortium von Banken, Versicherungen und der Swisscom abgewickelt werden soll, stellt sich nat\u00fcrlich die Frage, was denn die Swisscom qualifizieren soll, derart sensible Daten zu verwalten, wurden dem Unternehmen doch vor drei Jahren <a href=\"https:\/\/www.bluewin.ch\/de\/digital\/swisscom-entwendete-daten-bin-ich-betroffen-59562.html\">800 000 Kundendaten gestohlen<\/a>.)<\/p>\n<p><strong>Pornos f\u00fcr alle<br \/>\n<\/strong>Pornographie scheint ein beliebtes Motiv f\u00fcr Werbebildschirm-Hacker zu sein, vermutlich weil es am meisten Aufsehen, Emp\u00f6rung oder Belustigung erregt, so beispielsweise in <a href=\"https:\/\/www.mirror.co.uk\/news\/uk-news\/giant-advertising-screen-busy-street-10547626\">Buenos Aires<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.cbsnews.com\/news\/porn-broadcasted-hacked-billboard-indonesia\/\">Jakarta<\/a>\u00a0oder <a href=\"https:\/\/eu.freep.com\/story\/news\/local\/michigan\/oakland\/2020\/01\/10\/i-75-billboard-porn-charges\/4430130002\/\">Auburn<\/a> (USA), vielleicht auch nur, weil die Hacker oft junge M\u00e4nner waren. Unz\u00e4hlige YouTube-Videos, deuten darauf hin, dass selbst die weltweit bekanntesten Orte f\u00fcr Aussenwerbung, der Times Square in New York und der <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zLqRAISxaig\">Piccadilly Circus<\/a>\u00a0in London, gehackt wurden.<\/p>\n<p>Viele Eltern wollen ihre Kinder vor Pornographie sch\u00fctzen, weshalb es folgerichtig ist, dass ein derart gehackter Bildschirm abgeschaltet wird. Doch wollen viele Eltern ihre Kinder auch vor anderen Werbeinhalten sch\u00fctzen \u2013 aber da bieten die Stadtverwaltungen keine Hand. W\u00e4hrend beispielsweise Zehntausende f\u00fcr Nachhaltigkeit auf die Strasse gehen oder sich an der Urne f\u00fcr Velowege einsetzen, wird auf Werbebildschirmen und Werbeplakaten munter weiter geworben f\u00fcr Autos, die den gesetzlichen CO2-Grenzwert weit \u00fcbersteigen. Wie <a href=\"https:\/\/www.plakat-raum-gesellschaft.ch\/index.php\/2019\/11\/13\/ig-prg-fordert-stadtrat-auf-auf-werbebildschirme-zu-verzichten\/\">andernorts argumentiert<\/a>, sind die seit einigen Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossenen Werbebilschirme ein Schlag ins Gesicht der st\u00e4dtischen 2000-Watt-Strategie.<\/p>\n<p><strong>Infotainment f\u00fcr alle<br \/>\n<\/strong>Gem\u00e4ss Tages-Anzeiger wurde der aktuellste Hack am Stauffacher auf einer Werbestele vorgenommen, die einseitig \u00fcber einen interaktiven Stadtplan verf\u00fcgt, und es war offenbar die Stadtplan-App, \u00fcber die in das System eingedrungen wurde. Von der SBB \u00fcber Bus- und Tramunternehmen bis hin zu den Stadtverwaltungen wird auf Werbebildschirmen oft ein Mix aus Werbung, K\u00fcrzestnachrichten oder Informationen wie Stadtpl\u00e4nen zur Verf\u00fcgung gestellt. Dabei dienen die sogenannten Informationen, egal welchen Informationswert sie tats\u00e4chlich besitzen, oft als Feigenblatt f\u00fcr die Berieselung der Passantinnen oder Passagiere mit Werbung.<\/p>\n<p>Die IG PRG hat in der Vergangenheit verschiedentlich gefordert, dass auf die energieintensiven und von der Bev\u00f6lkerung nicht\u00a0 gew\u00fcnschten Werbebildschirme verzichtet wird. Stadtrat Andr\u00e9 Odermatt und Bernard Liechti,\u00a0Abteilungsleiter Reklamebewilligungen, hat es bis heute nicht gek\u00fcmmert. Jetzt ist die Retourkutsche gekommen.<\/p>\n<p>Die IG PRG empfiehlt von diesem Hack betroffenen Passantinnen und Passanten, gegen das Hochbaudepartement und Reklamebetreiber Clear Channel Anzeige zu erstatten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der Tages-Anzeiger heute berichtete, wurde gestern ein Werbebildschirm am Stauffacher in Z\u00fcrich gehackt und anstatt des interaktiven Stadtplans Pornofilme gezeigt. \u00dcberraschend ist das nicht, hat doch die Werbeindustrie schon fr\u00fcher wenig Sensibilit\u00e4t f\u00fcr Fragen der Datensicherheit und des Datenschutzes an den Tag gelegt. Kein Computer ist vor ungefugten Zugriffen sicher, und es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Werbebildschirm gehackt wird. 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