Über 6300 Unterschriften für eine werbefreie Stadt Bern

Gestern wurden über 6300 Unterschriften vom Komitee der Volksinitiative «Bern Werbefrei» eingereicht. Mit dem komfortabler Vorsprung gegenüber dem Ziel von 5000 Unterschriften dürfte eine städtische Volksabstimmung beschlossene Sache sein. Ein Meilenstein in der Selbstbestimmung über den öffentlichen Raum.

(Dieser Beitrag basiert auf einer Pressemitteilung unserer Freund:innen von Sortir de la Pub und Oui Zéro Pub. Dieser wiederum basiert auf dem Communiqué von Bern Werbefrei und weiteren Quellen.)

Der öffentliche Raum gehört allen. Heute nimmt die kommerzielle Plakatwerbung jedoch unverhältnismässig viel Raum ein und drängt allen ihre Botschaften auf – obwohl diese meist weit entfernt sind von den Zielen der öffentlichen Gesundheit und den Nachhaltigkeitszielen der Gemeinden. De Initiative «Bern Werbefrei» will die Stadt aus dem Griff der kommerziellen Werbung befreien und dafür andere Formen der Plakatierung (Kultur, Veranstaltungen, Prävention usw.) stärken.

Der Verzicht auf kommerzielle nationale und internationale Plakatwerbung verschafft zudem, kleinen Unternehmen und lokalen Geschäften, für die eine Plakatkampagne heute unerschwinglich ist, wieder mehr Sichtbarkeit. Weniger Werbung für Grossunternehmen und multinationale Konzerne bedeutet umso mehr Raum für ein lokales und vielfältiges Wirtschaftsgefüge.

Die in der Stadt Bern durchgeführte Unterschriftensammlung zeigt: Kommerzielle Werbung nervt, in dem sie ständig zum Kauf drängt, uns Verhaltensweisen vorschreibt und ihre konsumorientierten Werte aufzwingt. Sie nervt so sehr, dass der Wunsch, sich aus ihrem Würgegriff zu befreien, ein lebhaftes und wachsendes Interesse in der Bevölkerung weckt.

Und dieses Interesse beschränkt sich nicht nur auf die Bundesstadt:

– In Zürich hat das Parlament 2025 eine Motion verabschiedet, die eine deutliche Reduktion der Anzahl der
kommerziellen Plakate und eine vollständige Abschaffung digitaler Werbebildschirme fordert. Die Exekutive muss bis März 2027 einen Umsetzungsentwurf vorlegen.

– In Bardonnex (GE), einer Gemeinde, in der es bisher keine kommerzielle Plakatwerbung gab, war ein Referendum erfolgreich, das sich gegen eine Gemeindeverordnung wehrte, die den Weg für kommerzielle Werbung ebnen sollte. Die Bevölkerung wird am 29. November darüber abstimmen.

– Anderswo in Europa führen zahlreiche Städte Verbote für fossile Werbung ein. Flugreisen, Autos mit Verbrennungsmotor und manchmal auch Fleischprodukte und Fast Fashion werden nach und nach von den Plakaten verbannt. Amsterdam und Den Haag waren die ersten, die der fossilen Werbung ein Ende setzten. Seitdem haben rund 80 Städte und Regionen solche Massnahmen umgesetzt oder sind dabei, es zu tun: Stockholm, Edinburgh, Sheffield, Regionen in Dänemark und Finnland, weiter südlich Florenz und Genua, nicht zu vergessen Sydney und 23 weitere australische Städte – darunter Adelaide, das sich gestern der Liste angeschlossen hat

– Aus demselben Grund – dem Kampf gegen den Klimawandel – haben Grossräte des Kantons Neuchâtel eine Motion eingereicht, die ein Verbot von Werbung für fossile Energien fordert.

Wir freuen uns auf die Kampagne, die derzeit in Bern vorbereitet wird – eine echte Gelegenheit, die sozialen und gesundheitlichen Auswirkungen des Werbesystems und die damit verbundene Verschwendung von finanziellen und natürlichen Ressourcen zu hinterfragen sowie zu diskutieren, welchen Platz das lokalen Gewerbe und die nichtkommerzielle Kommunikation in unserem öffentlichen Raum einnehmen könnte.